Bernard-Henri Lévy findet schwarz-blaue Neuauflage schlimmer als Original (Der Standard)

levyBreiteKLEINER1200pixNach eindreiviertel Stunden wischt sich Bernard-Henri Lévy den Schweiß von der Stirn. Er hat ohne Pause gesprochen. Der französische Publizist sucht nach dem europäischen Geist. Looking for Europe heißt die Einmannshow, die ihn bis Mai in 20 europäische Länder führt. Am Montag war er im Wiener Theater Akzent.

Lévy spielte dort einen Mann, der in einem Hotelzimmer in Sarajevo eine Rede über Europa vorbereitet. In Sarajevo liege eines der großen Massengräber Europas, erinnert Lévy. Wie konnte es auf dem Kontinent der Aufklärung dazu kommen? Das weiß er nicht. Aber er weiß, dass er Europa, dessen Lebensstil, Zivilisation und Kultur liebt.

Diese sieht Lévy nun wieder bedroht. Europas Feinde kämen von innen. Der Brexit sei kein Aufbruch, sondern der Rückzug eines trotzigen Kindes in seine Sandkiste, poltert Lévy. Für jedes Gastgeberland seiner Tour überlegt er sich spezielle Passagen, und er fährt schwere Geschütze auf. Sebastian Kurz nennt er den « kleinen Prinzen des Populismus », der Zynismus und Relativismus betreibe. Die schwarz-blaue Neuauflage sei schlimmer als das Original. Alexander Van der Bellen, der die Rechten « besiegt » habe, verehrt er indes.

Lévy tigert mit weit geöffnetem Hemd über die Bühne, huscht namedroppend von Viktor Orbán zu Matteo Salvini, spottet den US-Präsidenten « Baby Trump », skypt zwischendurch mit seinem Freund Salman Rushdie, der Europas Uhr auf fünf vor zwölf stehen sieht. Elfriede Jelinek und Robert Menasse lassen Lévys iPhone bimmeln, sie haben vor ein paar Wochen sein proeuropäisches Manifest unterschrieben.

Schatz aus Künstlern und Denkern

Lévy hält sich nicht mit feingliedriger Argumentation auf, sondern erzeugt einen packenden Flow, feiert Europas Schatz aus Denkern und Künstlern. Er zieht für seine Standortbestimmung etwa die Philosophen Husserl, Heidegger und Kant zu Rate. Egon Schiele, Richard Strauss und Camille Claudel fungieren neben Robert Musil und Dante Alighieri als künstlerische Leuchttürme.

Angetan hat es Lévy auch die Prinzessin Europa aus dem Gründungsmythos des Kontinents. Wenn man deren Entführung übers Meer ernst nehme – wie könne man dann die Geflüchteten auf Lampedusa so behandeln? Der Ausweg heißt für Lévy Mut! Er will, dass wir zur Europawahl gehen. Möglich, dass er manchen überzeugt hat. (wurm, 19.3.2019)

https://www.derstandard.de/story/2000099821957/bernard-henri-levy-schilt-kurz-als-kleinen-prinz-des-populismus

 


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