Geschichte ist kein Videospiel (Die Welt, article de Sascha Lehnartz, le 2 Janvier 2012)

logo weltDie Welt: Ein Jahr nach dem Beginn des « arabischen Frühlings » in Sidi Bouzid,wie fällt Ihre Bilanz aus?

Bernard Henri Lévy: Das hängt davon ab, wo. Im Großen und Ganzen gibt es drei Kräfte, die gegeneinander wirken: Despotismus-Nostalgie. Das Anwachsen des Islamismus. Der Wunsch nach Demokratie. In Ägypten dominiert die Despotismus-Nostalgie (Armee) und der Aufstieg des Islamismus (Muslimbrüder), in Tunesien haben die Islamisten die Wahlen gewonnen. In Libyen hingegen sehe ich derzeit die demokratischen Kräfte im Vorteil. Auch wenn mir klar ist, dass es ein langer Prozess wird, während dem die Geschichte noch einmal zurückschlagen kann. Dabei kann das Beste oder das Schlimmste herauskommen.

Für Pessimisten sieht die Lage so aus: Am Anfang sind die Bloggerinnen auf der Straße, am Ende gewinnen die Islamisten die Wahlen. Werden wir als Beobachter viel Geduld brauchen?

Wir sind nicht nur Beobachter: Wir sind auch Handelnde. Genau darin besteht der Unterschied in Libyen: Die Tatsache, dass wir diesem Volk geholfen haben, sich zu befreien, legt uns eine Verantwortung auf. Aber daraus leiten sich auf gewisse Weise auch Rechte ab. Das fängt damit an, dass wir ein Recht haben, unsere Meinung über die Zukunft dieses Landes zu äußern. Ich habe gehört, wie Sarkozy den libyschen Führern in Tripolis gesagt hat, er habe ihnen nicht geholfen, Gaddafi loszuwerden, damit sie eine fundamentalistische Diktatur errichten. Es schien, als würden seine Gesprächspartner ihn beim Wort nehmen. In der vor sechs Wochen ernannten Regierung sitzt kein einziger Islamist.

Müssen wir unsere Vorstellung von Demokratie nach unten korrigieren und uns mit quasidemokratischen Systemen arrangieren, in denen Religions- und Meinungsfreiheit verfemt bleiben und Gleichberechtigung der Geschlechter Fernziel bleibt?

Wir müssen akzeptieren, dass Geschichte kein Videospiel ist, bei dem man auf den Knopf « Revolution » oder « Freiheit » drückt – und schon wird es Licht. Während des Libyen-Krieges haben Kritiker nach drei Wochen behauptet, die Sache sei « versandet », nun behaupten sie nach drei Wochen, die Islamisten hätten gewonnen. Das ist in beiden Fällen Ausdruck einer außergewöhnlichen Leichtfertigkeit. Es gibt zwei verschwisterte Illusionen: die eine Illusion besteht darin, von unumstößlichen kulturellen Unterschieden auszugehen. Sie basiert auf der irrigen Annahme, dass die arabischen Staaten gleichsam aufgrund ihrer kulturellen Eigenart zu Unterwerfung, Gewalt und Unterdrückung der Frauen verdammt sind. Und dann gibt es die Illusion der leichten Universalität. Diese besteht darin anzunehmen, dass Demokratie sich überall auf der Welt in denselben Worten ausdrückt und dem exakt gleichen zeitlichen Ablauf folgt.

Die Wahrheit ist, dass man beide Enden des Stricks festhalten muss. Erstens: Es gibt unverhandelbare Prinzipien, ohne die es keine Demokratie gibt: Gleichberechtigung der Geschlechter, Habeas Corpus, Trennung von Staat und Religion. Zweitens: Die Sprache, in der sich diese Prinzipien artikulieren; die Zeit, die für ihren Aufbau benötigt wird, sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Sie treten in mehr oder minder unerwarteten, hybriden Formen hervor.

Neigt man in Europa nicht dazu, die Rolle der Religion in muslimischen Gesellschaften zu unterschätzen – gerade weil in Europa Religion inzwischen zumeist eine individuelle Frage des Lebensstils geworden ist, während sie in der muslimischen Welt Identität definiert?

Es ist noch nicht sehr lange her, da war der Katholizismus in Europa auch ein identitätsstiftendes Element. In Frankreich lebte man im Rhythmus der Kirchen, der christlichen Feiertage, im Rhythmus einer Literatur, und einer Kunst, die von der Religion geprägt war. Desgleichen im Judentum, denn man kann, wie Sie wissen, Jude sein, selbst wenn man nicht gläubig ist und das Judentum als identitätsstiftendes Konstrukt betrachten. Ich will damit sagen, dass der Islam weniger ein Sonderfall ist, als man glaubt. Dennoch muss das Ziel natürlich sein, eine Gesellschaft aufzubauen, in der Frauen und Männer miteinander verkehren können, miteinander sprechen, miteinander in Beziehung treten können innerhalb eines religiös neutralen Raumes, eines Raums, in dem die Religion den geringstmöglichen Einfluss auf die Gesetzgebung hat.

Hatten Sie während Ihres Engagements im libyschen Bürgerkrieg je das Gefühl, dass Sie womöglich ein zu großes Rad drehen und die Geschichte Sie überrollen könnte?

Selbstverständlich. Ich wäre leichtfertig, wenn ich diese Angst nicht gehabt hätte. Die Wahrheit ist, dass ich sie in jeder einzelnen Phase hatte. Ich war an vier Schlüsselepisoden dieser Geschichte direkt beteiligt: Zunächst an der Anerkennung des Nationalen Übergangsrates. Dann im April am Geheimbesuch des Generals Younès bei Sarkozy, wo die Eröffnung einer zweiten Front in den Bergen südlich von Tripolis beschlossen wurde. Dann habe ich am 20. Juli die Offiziere aus dem belagerten Misrata zu Sarkozy gebracht, damit Misrata Angriffswaffen erhielt. Und schließlich habe ich Vertreter des freien Libyen in den Senegal begleitet, wo sie von Präsident Wade anerkannt wurden. Damit war der afrikanische Schutzschild Gaddafis geknackt. Und natürlich habe ich jedes Mal Angst gehabt. Jedes Mal war mir deutlich klar, dass ich an sehr ungewöhnlichen Aktionen beteiligt war, was mein Leben als Schriftsteller anbelangt: « eine Front eröffnen », « Waffen liefern » – natürlich wird einem da schwindelig. Zugleich wusste ich jedoch, die Alternative war das Blutbad.

Was hat Sie bewogen, den Vertretern des Übergangsrates zu vertrauen – die Sie nicht kannten – nach dem Motto « Das sind gute Leute, das wird schon klappen »?

Dass es klappen würde, dass wir ein Blutbad vermeiden würden, davon war ich im Großen und Ganzen überzeugt, als ich verstanden hatte, dass Sarkozy standhielt, dass er sich nicht von Defätisten und Luschen entmutigen lassen würde. Waren die Mitglieder des Übergangsrates « gute Leute »? Ich glaube schon lange nicht mehr an Engel und nicht einmal mehr an das Gute. Aber dass sie ein geringeres Übel verkörperten, dass Gaddafi mit das Schlimmste war und dass diese Männer, wie eingeschränkt auch immer, in jedem Fall besser waren als er, das habe ich sofort gedacht.

Auch wenn einige unter ihnen zuvor Säulen des Gaddafi-Regimes waren?

Sicherlich. Sie waren im Herzen der Maschinerie. Und dann haben sie sich gegen sie gewendet, denn sie sahen, dass die Maschinerie durchdrehte und an diesem Wahnsinn wollten sie nicht teilnehmen, bei dem Verbrechen nicht mittun, das im Begriff war, begangen zu werden. Wer kann ihnen das vorwerfen? Ist das nicht die Geschichte aller Freiheitskämpfe auf der Welt? Wird diese Geschichte nicht immer geschrieben von Leuten des alten Regimes, die es an einem bestimmten Punkt nicht mehr aushalten und die sich erheben? Die Geschichte besteht nicht aus Gut gegen Böse. Sondern aus « schlecht gegen weniger schlecht ».

Hat Nicolas Sarkozy die Erfahrung als Kriegsherr verändert?

Ja, das glaube ich. Es ist kein Geheimnis, dass ich 2007 nicht für ihn gestimmt habe. Aber ich habe in der Tat gesehen, dass er sich verändert hat. Ich habe gesehen, wie er eine seltsame Souveränität erlangt hat, die sicherlich schon in ihm war, aber die auf diesen Moment gewartet zu haben schien, um an den Tag zu treten.

Wenn er im Mai die Wahlen verlieren sollte, was bleibt von Sarkozy?

Sicherlich dies. Dass er der erste Regierungschef einer Demokratie war, der das ins Völkerrecht eingeschriebene « Recht zu schützen » durchgesetzt hat, wofür eine Handvoll Intellektuelle wie Hans-Christoph Buch, Peter Schneider, André Glucksmann und ich uns stets eingesetzt hatten. Und damit hat er mehr getan als etwa Barack Obama mit seiner Rede in Kairo, um zu beweisen, dass der Clash der Kulturen zwischen dem Westen und der arabisch-muslimischen Welt nicht unausweichlich ist.

Sind Sie da sicher?

Ich bin sicher, dass es nach dem Libyen-Krieg sehr schwer wird weiter zu behaupten, das geheime oder öffentliche Ziel des Westens sei es, eine « Demütigung der Araber » fortzusetzen.

Welche Position sollte der Westen nun gegenüber Syrien einnehmen?

Er sollte vor allem kohärent sein. Und den Syrern zu Hilfe eilen, wenn sie darum bitten. Die Geschichte wiederholt sich natürlich nicht. Und das Drehbuch wird nicht dasselbe sein wie in Libyen. Aber man kann nicht das tun, was man in Libyen gemacht hat und im Fall Syrien einfach die Arme verschränken.

Sie zitieren in Ihrem Tagebuch über den Libyen-Krieg eine Einschätzung Nicolas Sarkozys über Angela Merkel kurz vor der UN-Entscheidung zum Libyen-Einsatz. Sarkozy glaubt, Merkel « wird nicht unempfänglich sein für die Gerechtigkeit der Sache ». Hat es Sie überrascht, dass die Kanzlerin, die unter einer Diktatur aufgewachsen ist, sich dann als derart unempfänglich für die Sache erwies?

Ja, und im ersten Moment war ich sehr streng. Dann hat sie sich in ihrem Tempo entwickelt und schließlich hat sie sich der Koalition angeschlossen. Es hätte mich überrascht, wenn diese Frau, die ich sehr schätze, auf der Position der ersten Tage verharrt wäre.

Ist Deutschland seiner Verantwortung gerecht geworden?

Die Enthaltung im Sicherheitsrat war ein Fehler. Ein großer Fehler. Die Geschichte besteht sicher auch aus Entwicklungen, aber eben auch aus Momenten, aus dunklen Momenten. Und dies ist ein dunkler Moment für Ihr Land. Das hat auch Sarkozy kurz darauf gesagt: « Wie kann Deutschland, das zu Recht auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat hofft, eine derartige Verantwortungslosigkeit an den Tag legen? »

Zu Beginn des Libyen-Krieges sah es so aus, als habe die Enthaltung das deutsch-französische Verhältnis beschädigt. Es gab eine starke britisch-französische Allianz. Acht Monate später wirkt Großbritannien in Europa isoliert, und Sarkozy spricht nur noch von der « Annäherung » an Deutschland. Wie bewerten Sie das?

Ich glaube vor allem, man sollte diese Schwankungen nicht überbewerten. Europa war immer schon ein Spiel zu dritt. Zu Zeiten Gerhard Schröders gab es die Achse Hannover-London. So what? Die englische Presse mag sich über den « Krieg der Worte » mit Frankreich aufregen. Aber das ist lachhaft. Wir – Frankreich, Deutschland, England – haben im Wesentlichen dieselben Feinde. Diese medialen Aufgeregtheiten spiegeln nicht die Realität.

Sarkozys Rhetorik der « Annäherung an Deutschland » hat in Frankreich einige deftige antideutsche Bemerkungen ausgelöst. Glauben Sie, dass dieses Thema im nun beginnenden Wahlkampf antideutsche Reflexe auslösen könnte?

Ich gehöre zu denen, die glauben, dass die deutsch-französische Freundschaft für meine und die folgenden Generationen eine nicht verhandelbare Grundlage ist. In meinem Buch « Französische Ideologie », das jetzt 30 Jahre alt ist, gibt es ein Kapitel mit dem Titel « Germanophobie in der Philosophie », in dem ich den Hass auf Deutschland als einen der schlimmsten Züge Frankreichs beschreibe. Das beginnt im 19. Jahrhundert in der Philosophie mit den Spiritualisten – und es geht bis zum sozialistischen Politiker Arnaud Montebourg, der heute Merkel mit Bismarck vergleicht. So etwas ist desaströs. Es gibt ein Feuer, auf das man kein Öl gießen sollte, denn es wartet nur darauf, wieder aufzuflammen.

Die französische Nationalversammlung hat gerade ein Gesetz erlassen, das die Leugnung von Völkermord allgemein unter Strafe stellt. Das Gesetz meint implizit vor allem die Verfolgung und Vertreibung der Armenier durch die Türkei im Jahr 1915. Die Türkei hat deshalb massiv protestiert. Was halten Sie von dem Gesetz?

Ich bin für dieses Gesetz. Denn es betrifft Völkermorde, ausschließlich Völkermorde und nicht die « Erinnerung » im Allgemeinen. Die Böswilligkeit der Leute in dieser Angelegenheit ist unermesslich.

In diesem Europa, das von Gipfel zu Gipfel hetzt, fehlt da nicht eine größere Idee?

Ja. Reden über Verständigung und Versöhnung, das reicht nicht mehr aus. Wir brauchen eine positive Vorstellung von Europa. Europa gewinnt, wenn eine wachsende Zahl von Europäern eines Tages glaubt, dass Europa als solches – und ich sage bewusst: als solches – ihnen ein besseres Leben beschert. Es reicht nicht mehr, wenn unsere Politiker sagen: « Seid für Europa, denn das ist eine gute Sache, damit unser Land seine nationalen Interessen durchsetzen kann. » Eben nicht. Was sie sagen müssten, ist: « Europa ist eine neue Idee, eine neuartige politische Form, die als solche unseren Kindern neue Chancen in einer neuen Welt bietet. » Wer wird diese Rede halten? Sarkozy? Merkel? Sie scheinen kurz davor zu stehen, es zu tun – kurz davor, in Europa etwas anderes zu sehen als eine List der nationalen Vernunft, mit der man den Nachbarn reinlegt, um seine eigene Stellung auszubauen. Noch ist nichts zu sehen, aber wenn sie es wirklich tun, wenn sie es wagen, ein für alle Mal zu sagen « Europe is beautiful », dann gehen sie in die Geschichte ein. Europa wartet auf eine neue Generation von Gründern.

_____________________________________________________

Version française

L’histoire n’est pas un jeu vidéo

BHL en LibyeUne année après Sidi Bouzid, quel bilan dressez-vous du printemps arabe ?

Ça dépend où. Vous avez, en gros, trois forces qui s’opposent. La nostalgie du despotisme. La montée de l’islamisme. Et le désir de démocratie. Alors, tantôt, comme en Égypte, c’est la nostalgie du despotisme (l’armée) et la montée de l’islamisme (Frères musulmans) qui dominent. Tantôt, comme en Tunisie, c’est l’islamisme. En Libye, en revanche, les forces démocratiques ont plutôt l’avantage. Même si je sais que ce sera un processus long avec, au passage, tout ce qu’un retour de l’Histoire peut charrier de pire comme de meilleur.

Pour le pessimiste, l’image qui se présente est la suivant : au début c’est les bloggeuses dans les rues mais, à la fin, c’est les islamistes qui gagnent les élections. Faudra-t-il vivre avec cette situation pendant des années et être des observateurs patients?

Nous ne sommes pas juste des observateurs. Nous sommes aussi acteurs. Et c’est, là encore, toute la différence avec la Libye : le fait d’avoir aidé ce peuple à se libérer nous donne des responsabilités mais aussi, d’une certaine manière, des droits. A commencer par le droit de donner notre avis sur le futur du pays. J’ai entendu Sarkozy, à Tripoli, dire aux dirigeants libyens qu’il ne les a pas aidés à se débarrasser de Kadhafi pour voir s’ériger, à la place, une dictature fondamentaliste. Ses interlocuteurs semblaient l’écouter. Et je vous signale, d’ailleurs, que, dans le gouvernement formé il y a six semaines, ne figure aucun islamiste.

Faut-il réviser notre idée de la démocratie, s’arranger avec des systèmes quasi-démocratiques avec moins de laïcité, moins d’égalités entre les sexes etc. ?

Il faut, d’abord, accepter que l’Histoire n’est pas un jeu vidéo où il suffit d’appuyer sur la touche « révolution » ou « liberté » pour voir la lumière se faire : pendant la guerre de Libye, les gens parlaient d’« enlisement »au bout de trois semaines ; là, au bout de trois semaines, on disait déjà que le fondamentalisme religieux l’avait emporté ; c’est, dans les deux cas, le reflet d’une extraordinaire frivolité… Après, j’ai envie de vous dire que nous avons à faire face à deux illusions jumelles. Il y a l’illusion culturaliste, c’est-à-dire différentialiste, qui consiste à dire que les pays arabes sont voués, par une espèce d’essence civilisationnelle, à la soumission, au crime, à l’oppression des femmes. Et il y a l’illusionde l’universel facile qui consiste à croire que la démocratie se dit partout dans les mêmes mots et selon le même exact calendrier. La vérité c’est qu’il faut tenir les deux bouts de la corde. Primo, il existe des principes non négociables, sans lesquels il n’y a pas de démocratie : égalité des sexes, habeas corpus, laïcité. Secundo : la langue dans laquelle ces principes se disent, le temps de leur construction ou de leur apparition, diffèrent selon les lieux, prennent plus ou moins de temps, supposent des formes plus ou moins inattendues d’hybridation..

N’a-t-on pas tendance, en Europe, à mal comprendre le rôle de la religion dans les sociétés musulmanes ? Car, en Europe, la religion est devenue unstyle de vie alors que dans le monde arabe, elle est une question identitaire ?

Il n’y a pas si longtemps, en Europe, le catholicisme était, aussi, un élémentidentitaire. On a vécu, en France, au rythme des églises, des fêtes et du calendrier chrétien, au rythme d’une littérature et d’un art imprégnés de religiosité. Idem pour le judaïsme puisqu’on peut, comme vous savez, être juif alors même qu’on ne croit pas, qu’on n’a pas la foi et qu’on voit dont le judaïsme comme une pure construction identitaire. Je veux dire par là que le cas de l’islam est moins singulier qu’on ne le croit. Ce qui n’empêche pas, naturellement, que le but soit d’y bâtir une société où femmes et hommes puissent commercer, parler, se tenir les uns par rapport aux autres, à l’intérieur d’un espace religieusement neutralisé : un espace où la religion ait le moins possible à dire de le formation des lois.

Pendant votre engagement pour une intervention militaire en Libye, y a­­­-t-íleu des moments où vous avez eu peur que l’enjeu soit trop grand, que l‘histoire que vous avez déclenchée vous dépasse ?

Évidemment ! Je serais inconscient si je n’avais pas eu cette peur ! Et la vérité est que l’ai eue tout le temps, à chaque étape. J’ai été directement mêlé, au fond, à quatre épisodes clef de cette affaire. La reconnaissance du Conseil National de Transition, d’abord. La visite secrète du Général Younès, en avril, chez Sarkozy, où se décida l’ouverture d’un second front dans les montagnes au Sud de Tripoli. Les officiers de Misrata que je fais sortir, le 20 juillet, de la ville assiégée pour les amener de nouveau, à Sarkozy et faire que l’on donne à Misrata des armes offensives. Et puis le fait, enfin, d’amener au Sénégal des Libyens libres, de les faire reconnaître par le président Wade et d’opérer ainsi une brèche dans le bouclier africain de Kadhafi. Eh bien, chaque fois, j’ai eu peur, bien sûr. Chaque fois, j’ai eu bien conscience que j’avais affaire à des enjeux inhabituels dans la vie d’un écrivain (« ouvrer un front » ou « obtenir des armes », bien sûr que ça donne le vertige !). Et, en même temps, je savais que c’était ça ou le bain de sang.

Qu’est-ce qui vous a donné la confiance que ça allait marcher et que les gens du CNT étaient des gens bien?

Que ça allait marcher, qu’on allait effectivement éviter le bain de sang, j’en ai été grosso modo convaincu dès lors que j’ai compris que Sarkozy tiendrait bon, qu’il ne se laisserait pas décourager par les défaitistes et les tièdes. Après, est-ce que les gens du CNT étaient des gens bien ? Je ne sais pas si je me suis dit « des gens bien ». Car ça fait longtemps, n’est-ce pas, que j’ai cessé de croire aux anges et même, tout simplement, au Bien. Mais qu’ils incarnaient un moindre mal, que Kadhafi était ce qu’il y avait de pire et que ces hommes, quelles que soient leurs limites, auraient toujours plus de mérites que lui, ça, je l’ai pensé, en effet, presque tout de suite.

Même si certains étaient d’anciens kadhafistes ?

Oui, bien sûr. Ils avaient été au cœur de la machine. Et, maintenant, ils se retournaient contre elle car ils la voyaient devenir folleet ne voulaient pas prendre part à cette folie, tremper dans le crime qui se préparait. Qui les aurait blâmés de cela ? N’est-ce pas toute l’histoire de toutes les insurrections de la liberté dans le monde ? N’est-elle pas aussi écrite, cette histoire, par des hommes de l’ancien régime qui, à un moment donné, ne peuvent plus le cautionner et rompent ? L’Histoire, ce n’est pas le bien contre le mal. C’est le mal contre le moindre mal. Et ces anciens kadhafistes ralliés au peuple en révolte, c’était, je vous le répète,le moindre mal.

Nicolas Sarkozy : est-ce que l’expérience de chef de guerre l’a transformé, grandi ?

Oui, je crois. Ce n’est pas un secret que je n’ai pas voté pour lui en 2007. Mais je l’ai vu se métamorphoser, en effet. Je l’ai vu entrer dans  cette souveraineté bizarre qui était déjà en lui, forcément, mais qui semblait avoir attendu ce moment pour se révéler, pour apparaître au grand jour.

S’il perd les élections l’année prochaine, qu’est-ce qui restera de Nicolas Sarkozy ?

Ça, justement. Le fait d’avoir été le premier dirigeant d’une démocratie à avoir appliqué le « devoir de protéger » prôné par une poignée d’intellectuels commeHans-Christoph Buch,Peter Schneider, André Glucksmann ou moi-même et, désormais, inscrit dans la loi des Nations. Et puis, ce faisant, le fait d’avoir agi plus que quiconque (et plus, par exemple, que Barak Obama avec le discours du Caire)pour prouver que le clash des civilisations n’est pas fatal entre l’Europe et le monde arabo-musulman.

Vous êtes certain de cela ?

Je suis certain qu’après la guerre de Libye, il sera très très difficile de venir nous raconter que le but constant de l’Occident, son dessein secret et public, est de prolonger la fameuse « humiliation arabe ».

Vous citez une estimation de Nicolas Sarkozy par rapport à Angela Merkel au début du conflit. Il pense qu’elle « ne peut pas être insensible à la justesse de la cause. » Cela vous a surpris qu’une femme, qui a vécu sous une dictature, était si insensible à la cause ?

Oui, et sur l’instant, j’ai été très sévère. Et puis, elle a cheminé à son rythme et, après tout, elle a rallié à la coalition. Cela m’aurait surpris que cette femme, pour laquelle j’ai une grande considération, reste durablement sur cette position des premiers jours.

Pensez-vous que l’Allemagne a été a la hauteur de sa responsabilité ?

L’abstention au conseil de sécurité a été une erreur. Une grande erreur. Et l’Histoire, malheureusement, cesont certes des cheminements, mais ce sont aussi des dates, des dates sombres – et c’est, là, une date sombre pour votre pays. C’est,d’ailleurs,ce que m’a aussitotdit Sarkozy: « comment l’Allemagne qui aspire, à juste titre à un siège de membre permanent au conseil de sécurité, peut-elle faire preuve, là, d’une pareille irresponsabilité ? »

Pendant la guerre, on a pu avoir l’impression que cette abstention avait endommagé la relation franco-allemande. Il y avait une forte alliance franco-britannique. Huit mois plus tard on se trouve dans une situation où le Royaume-Unisemble isolé en Europe et Sarkozy ne parle que de la « convergence » avec L’Allemagne. Comment voyez-vous ce développement ?

Je crois surtout qu’il ne faut pas surestimer ces jeux de bascule. L’Europe c’est, depuis toujours, un jeu à trois. Du temps de Gerhard Schröder il y avait le tropisme Hanovre-Londres. Aujourd’hui, avec Sarkozy et Cameron, c’est Paris Londres. And so what ? La presse anglaise peut s’énerver sur le thème de la « guerre des mots avec la France ». C’est ridicule. Nous gardons – France, Allemagne, Angleterre – les mêmes ennemis fondamentaux. Cette excitation médiatique ne reflète pas la réalité.

Le discours de « convergence avec l’Allemagne » a provoqué en France quelques remarques assez robustes par rapport à l’Allemagne. Croyez-vous que cela puisse provoquer des ressentiments anti-allemands en France pendant la campagne électorale ?

Je suis de ceux qui pensent que l’amitié avec l’Allemagne est, pour ma génération et les suivantes, un socle non-négociable. Dans « l’idéologie française », qui a 30 ans maintenant, il y a un chapitre qui s’appelle «De la germanophobie en philosophie » et où je décrivais cette haine de l’Allemagne comme, en France, un des visages du pire. Ça commence en philosophie avec le courant spiritualiste à la fin du dix-neuvième siècle. Et ça va jusqu’à Arnaud Montebourg comparant Merkel à Bismarck. C’est désastreux. Il y a là un feu sur lequel il n’y a pas besoin de jeter d’huile car il ne demande qu’à flamber.

Dans cette Europe qui va de sommet à sommet, est-ce qu’il manque une idée forte ?

Oui. Les discours d’arrangements, ou de réconciliations, ne suffisent plus. Il faut une idée positive de l’Europe. L’Europe aura gagné le jour où un nombre croissant d’Européens penseront que l’Europe, en tant que telle, je dis bien en tant que telle, leur apportera une vie meilleure. Nos dirigeants s’en sortent souvent en disant : « votez Europe, c’est un bon truc pour permettre à notre pays – l’Allemagne, la France… – de défendre ses intérêts nationaux ». Eh bien non. Ils devraient dire : « l’Europe est une idée neuve, une forme politique inédite, qui, en tant que telle, apportera à nos enfants une chance nouvelle dans un monde nouveau ». Qui portera cette parole ? Sarkozy ? Merkel ? Ils semblent sur le point de le faire. Ils semblent au bord de voir l’Europe autrement que comme une bonne petite ruse de la raison nationale permettant de baiser le voisin et de mieux pousser nos pions. Ça n’a l’air  de rien. Mais, s’ils le font vraiment, s’ils osent dire, une bonne fois « Europeisbeautiful », alors ils entrent dans l’Histoire. L’Europe attend une nouvelle génération de fondateurs.


Tags : , , ,

Classés dans :,

Laisser un commentaire

Votre adresse de messagerie ne sera pas publiée. Les champs obligatoires sont indiqués avec *

Vous pouvez utiliser ces balises et attributs HTML : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>